Bindestrich, Gedankenstrich, Geviertstrich: Welche Striche gehören eigentlich in ein Buch?
Sie sehen klein aus. Manchmal sind sie kaum mehr als ein winziger Strich zwischen zwei Wörtern. Und trotzdem können sie im Buchsatz einen erstaunlich großen Unterschied machen.
Denn Strich ist nicht gleich Strich.
Ob -, – oder —: Die verschiedenen Striche haben unterschiedliche Aufgaben. Und wer sie im Manuskript einfach munter miteinander vermischt, sorgt nicht nur für typografische Unsauberkeiten. Spätestens im professionellen Buchsatz können daraus auch unschöne Umbrüche und ein unruhiges Satzbild entstehen.
Deshalb schauen wir uns einmal an, welche Striche es überhaupt gibt, wann welcher zum Einsatz kommt – und warum ich beim Buchsatz ganz genau darauf achte.
Der Bindestrich: klein, aber wichtig
Der Bindestrich ist der kurze Strich: -
Seine Hauptaufgabe ist das Verbinden von Wörtern oder Wortbestandteilen.
Zum Beispiel:
E-Book
Online-Shop
Fantasy-Roman
20-jährig
Autorin-Lektorin-Verhältnis
Er verbindet also Bestandteile miteinander, die zusammengehören.
Das klingt erst einmal simpel. Und genau deshalb wird der Bindestrich gerne mit dem Gedankenstrich verwechselt. Denn der sieht ähnlich aus, ist aber ein anderes Zeichen und erfüllt eine andere Funktion.
Der Gedankenstrich: der längere Strich
Der Gedankenstrich sieht so aus: –
Er ist deutlich länger als der Bindestrich und wird unter anderem verwendet, um einen Einschub oder einen Gedanken innerhalb eines Satzes abzutrennen.
Zum Beispiel:
Ich wollte eigentlich schon gehen – aber dann kam er zurück.
Oder:
Sie wusste genau, was sie tun musste – zumindest glaubte sie das.
Der Gedankenstrich schafft hier eine typografische Pause. Er trennt nicht einfach zwei Wörter voneinander, sondern markiert eine bestimmte Struktur innerhalb des Satzes.
Und genau deshalb ist es eben nicht egal, ob dort ein - oder ein – steht.
Aber warum nicht einfach immer den kurzen Strich verwenden?
Weil man den Unterschied im fertigen Buch durchaus sieht.
Ein kurzer Bindestrich wirkt zwischen zwei Leerzeichen schnell zu klein und optisch verloren:
Ich wollte eigentlich schon gehen - aber dann kam er zurück.
Mit dem Gedankenstrich wirkt der Satz typografisch ausgewogener:
Ich wollte eigentlich schon gehen – aber dann kam er zurück.
Das ist keine reine Geschmacksfrage. Die Zeichen haben unterschiedliche typografische Funktionen.
Und dann gibt es noch den Geviertstrich
Der Geviertstrich sieht so aus: —
Er ist noch einmal deutlich länger.
Im deutschen Fließtext begegnet er uns deutlich seltener als der Gedankenstrich. In englischsprachigen Texten ist er dagegen wesentlich häufiger anzutreffen, beispielsweise als sogenannter em dash.
Das bedeutet nicht, dass der Geviertstrich grundsätzlich falsch ist. Entscheidend ist immer, welche typografische Konvention für den jeweiligen Text gilt.
Und genau hier wird deutlich, warum professioneller Buchsatz mehr ist als ein bisschen Schrift auswählen und auf „PDF exportieren“ klicken.
Was passiert, wenn die Striche im Manuskript durcheinandergeraten?
Bei einem Manuskript kann es durchaus passieren, dass unterschiedliche Striche verwendet werden. Das sehe ich sogar sehr häufig in den Manuskripten, die ich von Autoren gesendet bekomme.
Mal steht dort ein Bindestrich, obwohl eigentlich ein Gedankenstrich gemeint ist. Mal werden drei Punkte verwendet, obwohl ein typografisches Auslassungszeichen sinnvoll wäre. Und manchmal werden Zeichen aus Word, Scrivener oder einem anderen Schreibprogramm übernommen, ohne dass man sich überhaupt Gedanken darüber gemacht hat.
Das ist völlig normal.
Ein Manuskript muss schließlich in erster Linie geschrieben werden. Es muss nicht bereits druckfertig gesetzt sein.
Beim Buchsatz gehört es dann aber zu meiner Arbeit, solche typografischen Details zu prüfen und zu vereinheitlichen.
Und dabei geht es nicht nur darum, das richtige Zeichen einzusetzen.
Warum ich Gedankenstriche im Buchsatz sichere
Ein besonders schönes Beispiel dafür sind Gedankenstriche.
Ein Gedankenstrich steht häufig innerhalb eines Satzes und gehört inhaltlich zu genau dieser Satzstruktur. Gleichzeitig ist er ein eigenes Zeichen, das beim Umbruch berücksichtigt werden muss.
Ich achte deshalb beim Satz darauf, dass solche Stellen nicht einfach dem Zufall des automatischen Zeilenumbruchs überlassen werden.
Je nach konkreter Stelle können dabei beispielsweise geschützte Zeichen bzw. entsprechende Umbruchregeln zum Einsatz kommen, damit der Gedankenstrich nicht plötzlich von dem Text getrennt wird, zu dem er gehört.
Ein guter Buchsatz bedeutet deshalb auch, den automatischen Umbruch an den richtigen Stellen zu kontrollieren.
Das ist eine dieser Kleinigkeiten, die Leser:innen meistens nicht bewusst wahrnehmen.
Kleine Zeichen, große Wirkung
Bindestrich, Gedankenstrich und Geviertstrich sind nur ein kleines Beispiel dafür, wie viele typografische Entscheidungen in einem Buchsatz stecken.
Für sich genommen wirken sie vielleicht nebensächlich. Aber wenn sich solche Kleinigkeiten durch ein ganzes Buch ziehen, entsteht schnell ein uneinheitliches oder unruhiges Schriftbild.
Deshalb schaue ich beim Buchsatz nicht nur darauf, ob der Text auf die Seite passt.
Ich schaue darauf, wie er auf der Seite funktioniert.
Denn ein professioneller Buchsatz besteht aus sehr vielen kleinen Entscheidungen. Und manchmal beginnt eine davon eben mit einem einzigen kleinen Strich.