Auslassungspunkte: Der kleine aber feine Unterschied in deinem Buchsatz
Kommen wir zu einem Zeichen, das wahrscheinlich in sehr vielen Manuskripten falsch verwendet wird:
...
Kommt dir bekannt vor, oder? Drei Punkte hintereinander. Fertig.
Typografisch ist es aber ein bisschen komplizierter.
Denn für die Auslassung gibt es ein eigenes Zeichen:
…
Das nennt sich Auslassungspunkte oder auch Ellipse.
Du denkst, dass das doch total gleich aussieht? Lass mich dir den Unterschied erklären und dir zeigen, worauf es ankomm.t
Wo liegt der Unterschied?
Bei ... stehen tatsächlich drei einzelne Punktzeichen hintereinander. Es wird kein Leerzeichen dazwischen gesetzt. Einfach nur drei Punkte.
Bei … handelt es sich dagegen um ein einziges typografisches Zeichen.
Das sieht nach einer winzigen Unterscheidung aus. Im Buchsatz macht sie aber einen Unterschied.
Das Auslassungszeichen hat eine eigene Zeichenbreite und wird als zusammengehöriges Zeichen behandelt.
Wer genau hinsieht, erkennt in unserer Ellipse kleine Abstände zwischen den Punkten. Aber das bedeutet nicht, dass du ein Leerzeichen dazwischen setzen oder gar einen speziellen Abstand hinzufügen musst. Das geschieht nämlich automatisch. Die exakten Abstände sind durch die jeweils verwendete Schriftart vorgegeben.
Tipp:
Nutze diese Tastenkürzel, um eine Ellipse einzufügen:
Mac: Alt/Option (⌥) + . (Punkt)
Windows (Ziffernblock): Alt + 0133
Aber wann brauche ich überhaupt Auslassungspunkte?
Auslassungspunkte können beispielsweise anzeigen, dass ein Satz oder Gedanke unvollständig bleibt:
„Ich dachte nur, dass …“
Oder sie können einen Moment des Zögerns oder Abbruchs in einem Dialog darstellen:
„Ich wollte dir eigentlich sagen, dass … ach, vergiss es.“
Gerade in Romanen begegnen uns Auslassungspunkte deshalb ziemlich häufig.
Warum drei einzelne Punkte im Buchsatz problematisch sein können
Wenn drei einzelne Punkte verwendet werden, behandelt das Satzprogramm sie auch als drei einzelne Zeichen.
Das kann Auswirkungen auf den Zeilenumbruch und den Zeichenabstand haben.
Das Auslassungszeichen dagegen ist ein zusammengehöriges Zeichen.
Außerdem kann es passieren, dass ... im fertigen Satzbild einfach etwas unruhiger aussieht. Gerade in einem ansonsten sauber gesetzten Fließtext fällt so etwas auf.
Und was passiert mit dem Leerzeichen?
Hier wird es noch ein kleines bisschen typografischer. 😉
Ob vor oder nach einem Auslassungszeichen ein Leerzeichen steht, hängt davon ab, wie die Auslassung verwendet wird.
Zum Beispiel:
„Ich weiß nicht …“
Hier markieren die Auslassungspunkte einen offenen oder abgebrochenen Gedanken.
Wenn dagegen innerhalb eines Wortes etwas ausgelassen wird, gelten andere Regeln.
Und genau hier kommt der Buchsatz ins Spiel
Solche kleinen Zeichen sind ein schönes Beispiel dafür, warum ich beim Buchsatz nicht einfach nur das Manuskript in InDesign importiere und anschließend auf „Exportieren“ klicke.
Ich prüfe unter anderem:
Welche Zeichen werden tatsächlich verwendet?
Sind sie typografisch korrekt?
Werden sie im gesamten Buch einheitlich eingesetzt?
Passt die Gestaltung zum restlichen Satzbild?
Kann der Umbruch an dieser Stelle Probleme verursachen?
Müssen Auslassungspunkte oder aber Gedankenstriche gesichert werden?
Denn ein einzelnes Zeichen kann klein sein., aber ein Buch besteht aus Tausenden davon.
Und wenn dieselbe Kleinigkeit auf 300 Seiten immer wieder falsch oder uneinheitlich auftaucht, ist sie irgendwann eben keine Kleinigkeit mehr.
Typografie lebt von solchen Details.
Und genau deshalb lohnt es sich, beim Buchsatz nicht nur auf die großen Dinge zu schauen. Manchmal steckt die Professionalität eines Buches tatsächlich in drei kleinen Punkten.
Oder eben in einem einzigen Zeichen: …