Geschütztes Leerzeichen im Buchsatz: Wann braucht man es wirklich?
Ein Leerzeichen ist ein Leerzeichen. Oder etwa doch nicht?
Nicht ganz.
Im Buchsatz gibt es tatsächlich unterschiedliche Arten von Leerzeichen – und eines davon kann verhindern, dass zusammengehörige Inhalte plötzlich auseinandergerissen werden: das geschützte Leerzeichen.
Es sieht genauso aus wie ein normales Leerzeichen. Der Unterschied zeigt sich erst dann, wenn der Text am Ende einer Zeile angekommen ist. Denn ein normales Leerzeichen darf einen Zeilenumbruch verursachen. Ein geschütztes Leerzeichen nicht.
Und genau deshalb ist es im Buchsatz an bestimmten Stellen unglaublich praktisch.
Was macht ein geschütztes Leerzeichen?
Nehmen wir an, in deinem Text steht:
Das Paket wiegt 20 kg.
Wenn am Ende der Zeile nicht mehr genug Platz für 20 kg ist, kann ein normales Leerzeichen dafür sorgen, dass der Umbruch so aussieht:
Das Paket wiegt 20
kg.
Grammatikalisch ist das zwar nicht falsch. Typografisch ist es aber ziemlich unschön. Denn 20 und kg gehören inhaltlich zusammen.
Mit einem geschützten Leerzeichen werden beide Bestandteile miteinander verbunden:
Das Paket wiegt
20 kg.
Der Umbruch darf dann nur vor oder nach der gesamten Einheit erfolgen.
Das Gleiche kann beispielsweise bei bestimmten Zahlenangaben, Abkürzungen oder anderen zusammengehörigen Zeichenfolgen sinnvoll sein.
Aber jetzt kommt der wichtige Teil: Bitte nicht überall geschützte Leerzeichen verwenden
Denn so verlockend es klingt, einfach möglichst viele Stellen zu „sichern“: Das ist im Fließtext keine gute Idee.
Warum?
Weil ein geschütztes Leerzeichen einen möglichen Umbruch verhindert. Und wenn man davon zu viele in einem Absatz verwendet, nimmt man dem Satzprogramm immer mehr Möglichkeiten, den Text sinnvoll auf die Zeilen zu verteilen. Das kann im Blocksatz zu unschönen großen Wortabständen führen.
Zum Beispiel:
Das war ein wirklich
langer Satz, bei dem
plötzlich sehr große
Lücken entstehen.
Wenn zusätzlich viele geschützte Leerzeichen im Text stecken, kann InDesign an diesen Stellen nicht umbrechen und muss den vorhandenen Platz anders verteilen. Das Ergebnis können sogenannte Löcher oder auffällig große Wortabstände im Satzbild sein.
Und genau deshalb gilt für mich:
Ein geschütztes Leerzeichen ist kein Werkzeug, mit dem man den gesamten Fließtext sauber festnagelt.
Es sollte dort eingesetzt werden, wo zwei Bestandteile inhaltlich oder typografisch tatsächlich zusammenbleiben sollen.
Wo geschützte Leerzeichen sinnvoll sein können
Typische Beispiele sind beispielsweise:
Zahlen und Einheiten
20 kg
5 cm
100 %
Wenn Zahl und Einheit zusammengehören, möchte man vermeiden, dass sie auseinandergerissen werden.
Bestimmte Abkürzungen
Auch bei Abkürzungen kann ein geschütztes Leerzeichen sinnvoll sein, wenn eine Trennung zwischen den Bestandteilen ungünstig wäre.
Zum Beispiel:
z. B.
Hier sollte z. nicht am Ende einer Zeile stehen und B. plötzlich in der nächsten.
Anrede und Name
Auch Kombinationen wie:
Frau Müller
Dr. Weber
sollten nicht unbedingt auseinandergerissen werden.
Denn:
Frau
Müller
liest sich einfach nicht besonders elegant.
Und was hat das mit Gedankenstrichen und Auslassungspunkten zu tun?
Hier schließt sich der Kreis zu meinen letzten Artikeln über Bindestrich und Gedankenstrich, sowie den Auslassungspunkten.
Auch dort geht es darum, bestimmte typografische Zusammenhänge vor einem ungünstigen Umbruch zu schützen.
Der Unterschied ist allerdings wichtig:
Ich setze nicht einfach überall geschützte Leerzeichen, nur damit möglichst nichts mehr verrutscht.
Beim professionellen Buchsatz wird für jede Stelle geprüft, was tatsächlich zusammengehört und wo ein Umbruch sinnvoll oder problematisch wäre.
Denn ein gutes Satzprogramm soll durchaus Spielraum haben.
Es soll den Text umbrechen können.
Aber es soll eben nicht ausgerechnet an einer Stelle umbrechen, an der dadurch das Satzbild oder die Lesbarkeit leidet.
So setzt du ein geschütztes Leerzeichen selbst
Wenn du jetzt neugierig geworden bist und es einmal ausprobieren möchtest:
Unter Windows:
In vielen Programmen kannst du ein geschütztes Leerzeichen mit
Strg + Umschalt + Leertaste
einfügen.
Auf dem Mac
Hier funktioniert es in vielen Programmen mit
Wahl (⌥) + Leertaste
Die genaue Tastenkombination kann je nach Programm abweichen – deshalb lohnt sich im Zweifel ein kurzer Blick in die entsprechende Software.
Und ja: Man kann das alles lernen. Man kann auch lernen, welche Zeichen wann verwendet werden, wo geschützte Leerzeichen sinnvoll sind, welche Umbrüche man korrigiert, welche Abstände man anpasst und welche Stellen man besser einfach in Ruhe lässt.
Die Frage ist nur: Möchtest du das wirklich für dein komplettes Buch machen? 😉
Denn genau hier beginnt professioneller Buchsatz
Bei einem kurzen Text sind solche Kleinigkeiten schnell korrigiert. Bei einem Roman mit 80.000 Wörtern sieht die Sache schon etwas anders aus.
Dann geht es nicht mehr um ein einzelnes geschütztes Leerzeichen. Es geht um hunderte Seiten, tausende Umbrüche und unzählige kleine typografische Entscheidungen.
Und genau diese Entscheidungen sollten am Ende nicht zufällig sein.
Ein professioneller Buchsatz bedeutet deshalb nicht, dass überall möglichst viele Dinge „gesichert“ werden.
Er bedeutet, zu wissen, was gesichert werden muss – und was man besser flexibel lässt.
Denn Typografie ist manchmal genau das: wissen, wann man eingreifen muss. Und wann man es besser nicht tut.